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Cybercrime Glossar

DDoS-Reflection-Angriffe (Offene DNS-Resolver)

Bestimmte Netzwerkdienste, die offen für Dritte im Internet verfügbar sind (allen voran DNS, aber durchaus auch NTP, SSDP, SNMP) können für Angriffe gegen Dritte genutzt werden. Das Risiko ist recht hoch, weswegen auch proaktiv Betreiber dieser Dienste darauf hingewiesen werden, sich um das Problem zu kümmern.

Dabei ist es auch mir bereits passiert, dass im Zuge eines lieblos gefahrenen Updates ein DNS-Server plötzlich und von mir unbemerkt rekursive Anfragen zuliess (die ich vorher bewusst deaktiviert hatte). Daher mein Rat: Prüfen Sie Ihren Server und kümmern Sie sich darum.

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Cybersecurity & IT-Sicherheit Statistiken

Cybersecurity: Lage der IT-Sicherheit 2019

Lage der Cybersecurity 2019: Gegen Ende des Jahres mehren sich üblicherweise die Berichte zum Thema Cybersicherheit (und Cybercrime), beginnend mit dem Bericht des BSI, der dieses Jahr am 17. Oktober vorgestellt wurde. Ich habe bewusst einige Wochen gewartet, um nun an dieser Stelle einen kurzen und weiterführenden Überblick zu geben.

Es lässt sich wenig überraschend festhalten, dass gerade mit zunehmender und beschleunigter Digitalisierung die IT-Sicherheit an Bedeutung gewinnt. Dabei mehrt sich jedenfalls bei mir der Eindruck, dass der Staat ebenso blindwütig wie mit erheblichen finanziellen Mitteln auf der einen Seite die Digitalisierung vorantreibt – auf der anderen Seite gleichwohl aber die Förderung der IT-Sicherheit im (praktischen) Alltag vernachlässigt. Die so entstehende Schere gefährdet Unternehmen genauso wi Behörden.

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Cybercrime Glossar

Cybercrime as a Service

Unter dem Begriff “Cybercrime as a Service” wird das Angebot von Dienstleistungen zur Begehung von digitalen Straftaten gefasst. Zu solchen Dienstleistungen gehört insbesondere:

  • Die Fertigung individueller Malware inklusive Ransomware, gerne basierend auf bestehenden Bausätzen;
  • das Verteilen lassen von Malware inklusive „Infection on Demand“
  • die Möglichkeit der Anmietung von Botnetzen
  • das Durchführen lassen von DDoS-Attacken;
  • das Durchführen von Datendiebstahls-Szenarien oder gleich der Verkauf/Ankauf erlangter sensibler Daten;
  • die Vermittlung von Finanz- oder Warenagenten;
  • hochprofessionalisierte Anonymisierungs- und Hostingdienste zum Verschleiern eigener Identität (was nicht zwingend illegal sein muss!);
  • die Nutzung von Dropzones um illegal erlangte physische Waren auch zustellen zu lassen.
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Allgemeines zu IT-Strafrecht & Cybercrime

Cybercrime Bundeslagebild 2016

Sowohl das Bundeskriminalamt als auch das LKA NRW haben zwischenzeitlich wieder Veröffentlichungen zum Lagebild Cybercrime veröffentlicht – die Presse hat die Meldungen wie gewohnt unreflektiert aufgenommen, dabei ist in den Publikationen durchaus offen angesprochen, warum die Zahlen mit Hintergrundwissen aufgenommen werden müssen.

Überblick des BKA Lagebild Cybercrime 2016

Auf den ersten Blick besteht ein massiver Anstieg der Fälle von Cybercrime im engeren Sinn – allerdings muss man die Hintergründe kennen: So wird der Computerbetrug in der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) nun klarer ausgewiesen, der überdies den Grossteil der erfassten Taten ausmacht. Durch diese differenzierte Erfassung des vom Anteil der beträchtlichsten Delikts steigen automatisch die Fallzahlen massiv an, ein. Vergleich aber ist nur mittelbar möglich (so auch auf Seite 5 des Berichts). Dabei ist auch daran zu denken, dass Massenhacks, ausgehend von einer Tat und einem Täter, die aber zu einer Vielzahl von Betroffenen führen (wie etwa standardisierte Router-Hacks) letztlich nur zu einer Fallzahl führen!

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Cybercrime Glossar

Distributed Denial of Service – DDoS

Ein Distributed Denial of Service (DDoS) Angriff ist sehr allgemein gesprochen dann anzunehmen, wenn durch eine Vielzahl böswillig erzeugter Anfragen ein System nach außen hin nicht mehr erreichbar ist. Es gibt dabei drei Hauptangriffspunkte:

  • Internetzugang
  • Betriebssystem
  • Dienste

So kann etwa durch massenhafte Anfrage, etwa über ein Botnetz, erreicht werden, dass der Webserver-Dienst überlastet wird weil er die vielfachen Anfragen nicht mehr bewältigen kann.

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Cybercrime Glossar

Botnet

Bei einem Botnet geht es darum, dass ein Dritter (zahlreiche) verschiedene Systeme kontrolliert und zu einem Netzwerk verbinden kann, dass er für eigene (böswillige) Zwecke nutzen kann. So können zahlreiche beherrschte System für einen Distributed Denial of Service (DDoS) Angriff genutzt werden, aber auch um massenhaft Mails zu versenden, etwa als verteiltes Netzwerk für einen SPAM-Versand. Nicht immer geht es dabei alleine um Computer oder Server, auch Router oder sonstige Systeme mit Internetzugang wie Uhren oder Kühlschränke (“Internet of Things”) können dabei eine Rolle spielen.

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Meine Tätigkeit im IT-Strafrecht & Cybercrime

DDOS-Angriff: Bericht aus einer Strafverhandlung

Meinem Mandanten wurde ein DDoS-Angriff vorgeworfen. Er hatte – freilich ohne dazu beauftragt worden zu sein – eine Webseite auf Sicherheitslöcher “prüfen” wollen, indem er ein Penetrationstool (wie Acunetix) eingesetzt hat. Der etwas betagte Server ging in die Knie und brach letztlich ganz zusammen. Der Betreiber erstattete Strafanzeige, letztlich wurde Anklage erhoben wegen einer begangenen Computersabotage entsprechend §303b StGB. Mit der Anklageschrift kam ich ins Spiel.

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Allgemeines zu IT-Strafrecht & Cybercrime

Bug-Bounty-Programme: Vorsicht ist geboten!

Inzwischen mehren sich die so genannten “Bug-Bounty-Programme”, aktuell etwa von PayPal. Hierbei handelt es sich um Aufrufe von Anbietern, dass Außenstehende Sicherheitslücken in deren Angeboten aktiv suchen und melden sollen. Es ist also der öffentliche Aufruf, eigene Angebote (wie etwa Webseiten) zu “hacken”. Wer hier eine Sicherheitslücke findet und meldet, wird mit einer Zahlung von Geld “belohnt”. Aber: Es ist Vorsicht geboten.

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Urteile IT-Strafrecht & Cybercrime

Landgericht Düsseldorf bestätigt: Denial of Service ist strafbar

Sind “Denial-of-Service”-Attacken strafbar? Ich habe das in der Vergangenheit bereits bejaht (hier ausführlich nachzulesen), nunmehr gibt es ein aktuelles Urteil (Landgericht Düsseldorf, 3 KLs 1/11, hier bei OpenJur) – meines Wissens sogar das erste Urteil – dass die Strafbarkeit einer DDoS-Attacke untersucht und bejaht.

Im Sachverhalt ging es um die klassische Variante: Der Angeklagte hat mehrere Unternehmen angeschrieben und verlangt, dass eine bestimmte Summe gezahlt wird. Ansonsten würde er die Firmenwebseiten mittels DDoS-Attacken “lahm legen”. Immerhin in 3 Fällen wurde ihm Geld gezahlt (2x 2.000 Euro, 1×1.000 Euro – alles via UKash), in 3 weiteren Fällen wurde nicht gezahlt. Dabei wurden sämtliche Seiten mehrmals “lahm gelegt”, insbesondere zur Untermauerung der Geldforderung. Zur DDoS-Attacke nutzte der Angeklagte einen gemiteten russischen Server, über den er wiederum auf ein Bot-Netz zurückgriff. Zur Vertiefung empfehle ich den Wikipedia-Artikel und verzichte auf Ausführungen zum Aufbau eines BotNets sowie zu Botnet-Operatoren.

Das Landgericht Düsseldorf sah in allen 6 Fällen eine unproblematische Strafbarkeit wegen Computersabotage nach §303b I Nr.2 StGB, wobei von einer “gewerbsmäßigen Computersabotage” ausgegangen wird, da Firmeninteressen betroffen sind (§303b II StGB). Bemerkenswert ist, dass die Subsumtion des Gerichts hinsichtlich der Computersabotage mit jeweils einem Satz auskommt, was nochmals unterstreichen sollte, wie unproblematisch die Feststellung der Strafbarkeit einer DDoS-Attacke ist.

Hinweis: Neben der Computersabotage wurde selbstverständlich noch die Strafbarkeit wegen (versuchter) gewerbsmäßiger Erpressung festgestellt, was wenig überraschen sollte. Ich sehe hier keinen Ansatz für eine weitergehende Vertiefung.

Das Ergebnis: Die Entscheidung des LG Düsseldorf überrascht nicht und liegt auf einer Linie mit meiner früheren Analyse. DDoS-Attacken sind keine Bagatell-Delikte. Dabei sind gerade Teenager aufgerufen, die Konsequenzen einer scheinbar anonymen Attacke – etwa im Rahmen von gruppenbasierten Angriffen wie von Anonymous – nicht zu unterschätzen, auch hinsichtlich evt. auflaufender zivilrechtlicher Schadensersatzansprüche. Die Entscheidung aus Düsseldorf sollte wachrütteln und warnen. Evt. anders lautende Analysen im Internet sind kritisch zu sehen. Insbesondere wenn sich auf eine frühere Entscheidung des OLG Frankfurt a.M. berufen wird, ist hier nur kurz festzustellen, dass diese Entscheidung auf Grund der Änerungen des StGB sich schlicht überholt hat. Dazu kommt die Problematik, dass auch der Versuch bereits unter Strafe stehen wird (§303b III StGB).

Dazu ausführlich:

Update: Es gibt nun erste Zweifel, ob der §303b StGB verfassungsgemäß ist – zum einen, weil er zu unbestimmt sein soll. Diesen Gedanken finde ich zwar nachvollziehbar, teile ihn aber nicht, da letztlich m.E. die Grenzen der Bestimmtheit (noch) eingehalten werden. Dass Wertungsgesichtspunkte bei der Analyse der Datenverarbeitung eine Rolle spielen ist im StGB keineswegs selten und gerade im Daten-Strafrecht ein typisches Kriterium. Dies gerade, da man häufig mit einem bestimmungsgemäßen Gebrauch einer Datenverarbeitung, einfach durch Häufigkeit, Probleme hervorrufen kann. Es verbleibt bei vielen Szenarien alleine die Intention des Handelnden als Differenzierungskriterium. Daneben wird angemerkt, dass eine Ähnlichkeit zum §202c StGB besteht, der ja bereits das BVerfG beschäftigt hat. Auch das ist auf den ersten Blick nachvollziehbar, wird von mir aber abgelehnt: Zum einen ist mit dem BVerfG gerade festzustellen, dass die Wertung auf Grund der Intention des Handelnden keinen Bedenken begegnet. Zum anderen stellt der §303b StGB – anders als der §202c StGB bei weiter Auslegung – eben nicht auch grundsätzlich rechtmässiges Verhalten unter Strafe.

Zu guter Letzt möchte ich darauf verweisen, dass bis heute – also nach nunmehr 5 Jahren Existenz des §303b StGB – weder in der Literatur noch in der Rechtsprechung jemals Zweifel an der Verfassungsmässigkeit der Norm aufgekommen sind. Dabei ist in der Begründung zum §303b StGB nachzulesen, dass ausdrücklich DDoS-Attacken unter Strafe gestellt werden sollten – auch das begegnete niemals irgendeiner Form von Kritik. Stattdessen war von Anfang an klar, dass die Norm restriktiv anzuwenden ist (dazu nur Hilgendorf/Wolf in K&R 2006, S.541ff.)

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Allgemeines zu IT-Strafrecht & Cybercrime

Distributed Denial of Service (DDoS) Attacken: DDoS Strafbar?

Aktuell sind wegen der Wikileaks-Debatte und so genannter “Rache”-Aktionen u.a. der Gruppe “Anonymous” so genannte DDoS-Angriffe wieder in aller Munde. Spätestens nachdem in den Niederlanden der zweite jugendliche “Hacker” von der Polizei festgenommen wurde, der sich an einem solchen DDoS-Angriff beteiligt haben soll, stellt sich auch zunehmend die Frage nach der Strafbarkeit. Bei Telemedicus etwa wurde es schon (sehr kurz) thematisiert, auch Stadler hat bereits etwas längeres dazu verfasst. Speziell wegen des Mythos des “Online-Demonstrationsrechts” in diesem Zusammenhang möchte ich das weiter konkretisieren.