BKA zum Cybercrime Lagebild 2015

Das Bundeskriminalamt hat das “Lagebild Cybercrime 2015” veröffentlicht. Dabei entwickelt sich der sich seit Jahren abzeichnende Trend hinsichtlich Täterstrukturen und Angriffszielen weiter ab, aus meiner Sicht droht hier ein zunehmendes eskalierendes Problem.

Anzahl der Cybercrime Taten 2015 nach PKS (Quelle: BKA)
Anzahl der Cybercrime Taten 2015 nach PKS und Deliktsform (Quelle: BKA)

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PKS: Cybercrime Lagebild für NRW 2015

Das LKA NRW hat das “Cybercrime Lagebild für NRW 2015” bekannt gegeben. Hierbei zeigt sich weiterhin ein auf den ersten Blick zu erkennender Rückgang der IT-Straftaten, was aber nur sehr bedingte Rückschlüsse zulässt. So erinnert das LKA daran, dass die PKS mit veränderten Daten gefüttert wird:

Im Jahr 2014 wurde damit begonnen, Delikte der Cybercrime bundeseinheitlich nur noch in der PKS zu erfassen, wenn konkrete Anhaltspunkte für eine Handlung des Täters innerhalb Deutschlands vorliegen.

Ob sinnvoll oder nicht, jedenfalls sollten man sich mit Rückschlüssen hinsichtlich Daten vor 2014 eher zurückhalten.

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Zentrale Ansprechstelle Cybercrime der Polizei

Die Bedeutung des IT-Strafrechts nimmt immer weiter zu, auch die Ermittlungsbehörden fokussieren sich: Im Bundeskriminalamt wurde eine “Nationale Kooperationsstelle Cybercrime” eingerichtet, auch in jedem Bundesland wurde eine zentrale Ansprechstelle Cybercrime geschaffen. Die Aufgaben beschreibt das BKA so:

Die Komplexität der Angriffsvektoren, das hohe Schadenspotenzial und die gesamtgesellschaftliche Auswirkungen in Fällen von Cybercrime erfordern eine vertrauensvolle Kooperation zwischen betroffenen Unternehmen und Strafverfolgungsbehörden.
Auf die Bedarfslage wurde von Seiten der Polizei in Bund und Ländern durch die Einrichtung zentraler Ansprechstellen Cybercrime (ZAC) beim BKA und den Länderpolizeien reagiert.
Die ZAC des BKA als Bestandteil der Nationalen Kooperationsstelle Cybercrime fungiert dabei als Vermittler und Berater für die Wirtschaft, um im Schadensfall die polizeilichen Ermittlungen zu koordinieren.

Welche Ansprechstellen es jeweils gibt wurde unter Polizei.de zusammen gefasst, die Auflistung findet sich auch am Ende dieses Beitrags als PDF.

In NRW etwa wurde nun bei der Staatsanwaltschaft Köln ein ZAC eingerichtet, wobei die StA Köln bereits seit einiger Zeit eine spezielle Abteilung mit entsprechender Kompetenz bereit gehalten hatte. In den Aachener Nachrichten findet sich hierzu auch ein Interview.

Die Bündelung ist ebenso wie der Fokus dringend geboten: In IT-Strafsachen hat sich zunehmend fehlende Kompetenz in der Sache als erheblicher Hemmschuh erwiesen. Erste Überlegungen, dass fehlendes Wissen sich eher zu Gunsten von Beschuldigten auswirken könnte, haben sich als fatale Fehleinschätzung erwiesen. Auf der anderen Seite ist zu sehen, dass gerade Unternehmen zunehmend mit Straftaten konfrontiert sind, etwa Angriffen auf die eigene Infrastruktur oder wirtschaftlich bedeutsame Daten; aber auch zielgerichtet auf das Unternehmen in Form von digitaler Erpressung oder Betrug. Hier erwies sich für Betroffene Unternehmen mangelnde Kompetenz und viel zu lange Arbeitszeit als grösstes Problem bei der Suche nach Tätern – eine Kompetenzbündelung kann hier durchaus hilfreich sein.

Polizeiliche Kriminalstatistik 2014: Entwicklung der IT-Straftaten

Ich hatte zuletzt etwas zur Statistik 2012 geschrieben, inzwischen gibt es einige bemerkenswerte Änderungen, auf die das BKA hinweist und die sich aus meiner Sicht ergeben:

  1. So ist als erstes zu sehen, dass seit dem Jahr 2014 Delikte des Cybercrime nur noch in der polizeilichen Statistik erfasst werden, wenn konkrete Anhaltspunkte für eine Tatbegehung in Deutschland vorliegen. Das bedeutet, dass Zahlen ab 2014 keine brauchbare Vergleichsbasis zu vorhergehenden Zahlen darstellen, man sollte daher die Zahlen getrennt betrachten.
  2. Für das Jahr 2013 war noch zu sehen, dass 64.426 Fälle von Cybercrime festgehalten wurden – dies stellte lediglich eine Steigerung von rund 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr (63.959) dar.
  3. Im Jahr 2014 wurden dann fast 50.000 Straftaten im Bereich des Cybercrime im engeren Sinn festgestellt. Das BKA erfasst hierunter alle Straftaten, die sich gegen das Internet, Datennetze, informationstechnische Systeme oder deren Daten richten.
  4. Bei der Verteilung der Straftaten ist zu sehen, dass gut 22.300 Taten auf den Computerbetrug entfallen, was fast der Hälfte anteilig an den Straftaten entspricht. Weitere Straftaten mit Bedeutung waren die „Fälschung beweiserheblicher Daten” sowie die „Datenveränderung/Computersabotage“.
  5. Eine immer noch, insbesondere vom Mittelstand, unterschätze Gefahr sind gezielte Angriffe auf die Infrastruktur von Firmen (Stichwort Wirtschaftsspionage). Es ist seltsam, dass dieser Bereich zwar immer stärker von der Polizei betont wird, aber kaum von Unternehmen ernst genommen wird.

Download: Bundeslagebild Cybercrime 2014

Polizeiliche Kriminalstatistik 2012: Entwicklung der IT-Straftaten

Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2012 wurde vorgestellt, dabei spielt erneut die “Cyberkriminalität” eine Rolle, wie der Pressemitteilung zu entnehmen ist:

Zunehmend beschäftigt die sog. Cyberkriminalität die Polizeien des Bundes und der Länder, also Straftaten, die unter Ausnutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnik begangen werden, indem etwa Daten ausgespäht und abgefangen werden oder indem mit einer Schadsoftware Daten verändert oder Computer beschädigt werden. 2012 sind solche Delikte im Vergleich zum Vorjahr um 7,5 Prozent auf 63.959 Fälle angestiegen, bei einem vermutlich erheblichen Dunkelfeld.

Der Handreicher zur Statistik spricht insgesamt von 3,4% mehr an Straftaten in diesem Bereich. Von mir ein paar kurze Erläuterungen zu dieser Entwicklung,basierend auf der Gesamtstatistik. Im vorweggenommenen Fazit gibt es eine insgesamt überraschende Entwicklung, die bisher kaum Aufmerksamkeit erhalten hat: Bei den Persönlichkeitsrechtsverletzungen ist eine starke Steigerung zu verzeichnen, während im Bereich klassischer Delikte eher ein Rückgang zu sehen ist. Es scheint sich der Trend zu entwickeln, dass Delikte im individuellen Bereich, also zum Schutz der einzelnen Personen, “im Trend” liegen und Betroffene hier zunehmend zum Mittel der Strafanzeige greifen. Nachdem seit Jahren Smartphones unseren Alltag prägen während ein Bewusstsein zur Nutzung der damit verbundenen Möglichkeiten kaum vorhanden ist, eine ebenso überfällige wie vorhersehbare Entwicklung.
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