Botnet

Bei einem Botnet geht es darum, dass ein Dritter (zahlreiche) verschiedene Systeme kontrolliert und zu einem Netzwerk verbinden kann, dass er für eigene (böswillige) Zwecke nutzen kann. So können zahlreiche beherrschte System für einen Distributed Denial of Service (DDoS) Angriff genutzt werden, aber auch um massenhaft Mails zu versenden, etwa als verteiltes Netzwerk für einen SPAM-Versand. Nicht immer geht es dabei alleine um Computer oder Server, auch Router oder sonstige Systeme mit Internetzugang wie Uhren oder Kühlschränke (“Internet of Things”) können dabei eine Rolle spielen.

Computersabotage: Ver­däch­ti­ger Te­le­kom-Ha­cker in Lon­don fest­ge­nom­men

Staatsanwaltschaft Köln und Bundeskriminalamt haben in einer gemeinsamen Pressemitteilung die Festnahme des “Telekom-Hackers” verkündet:

Die Festnahme erfolgte aufgrund eines von der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime NRW (ZAC NRW) der Staatsanwaltschaft Köln erwirkten europäischen Haftbefehls. Die Ermittlungen werden durch das Bundeskriminalamt (BKA) geführt, das in enger Kooperation mit den britischen Strafverfolgungsbehörden die Festnahme des Beschuldigten in England vorbereitet hat. Beamte des Bundeskriminalamtes sind vor Ort in die weiteren Ermittlungen eingebunden.

Dem Briten wird versuchte Computersabotage in einem besonders schweren Fall vorgeworfen. Er wird verdächtigt, Ende November 2016 eine Angriffskampagne gegen Internetzugangsrouter durchgeführt zu haben, wodurch mehr als 1.000.000 Kunden der Deutschen Telekom AG ihren Internetanschluss nicht mehr nutzen konnten. Die Folge waren unter anderem Ausfälle von Internet- und Telefoniediensten der betroffenen Anschlüsse.

Ziel des seinerzeitigen Angriffs – der massive Auswirkungen hatte – soll der Aufbau eines umfassenden Botnetzwerks gewesen sein. Der Fall hat aus mehrerlei Gründen Beachtung verdient.
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Zur Strafbarkeit bei Betrieb und Aufbau eines Botnetzwerks

In einem bisher nicht beachteten Beschluss hat sich der Bundesgerichtshof (1 StR 16/15) zur Frage der Strafbarkeit beim Betrieb eines Botnetzwerks geäußert. Die Entscheidung bietet zum einen nochmals vertieften Einblick in die Voraussetzungen des §202a StGB; zum anderen wird nochmals überdeutlich aufgezeigt, mit welchen Schwächen im Bereich des IT-Strafrechts selbst bei Landgerichten zu rechnen ist.
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Landgericht Düsseldorf bestätigt: Denial of Service ist strafbar

Sind “Denial-of-Service”-Attacken strafbar? Ich habe das in der Vergangenheit bereits bejaht (hier ausführlich nachzulesen), nunmehr gibt es ein aktuelles Urteil (Landgericht Düsseldorf, 3 KLs 1/11, hier bei OpenJur) – meines Wissens sogar das erste Urteil – dass die Strafbarkeit einer DDoS-Attacke untersucht und bejaht.

Im Sachverhalt ging es um die klassische Variante: Der Angeklagte hat mehrere Unternehmen angeschrieben und verlangt, dass eine bestimmte Summe gezahlt wird. Ansonsten würde er die Firmenwebseiten mittels DDoS-Attacken “lahm legen”. Immerhin in 3 Fällen wurde ihm Geld gezahlt (2x 2.000 Euro, 1×1.000 Euro – alles via UKash), in 3 weiteren Fällen wurde nicht gezahlt. Dabei wurden sämtliche Seiten mehrmals “lahm gelegt”, insbesondere zur Untermauerung der Geldforderung. Zur DDoS-Attacke nutzte der Angeklagte einen gemiteten russischen Server, über den er wiederum auf ein Bot-Netz zurückgriff. Zur Vertiefung empfehle ich den Wikipedia-Artikel und verzichte auf Ausführungen zum Aufbau eines BotNets sowie zu Botnet-Operatoren.

Das Landgericht Düsseldorf sah in allen 6 Fällen eine unproblematische Strafbarkeit wegen Computersabotage nach §303b I Nr.2 StGB, wobei von einer “gewerbsmäßigen Computersabotage” ausgegangen wird, da Firmeninteressen betroffen sind (§303b II StGB). Bemerkenswert ist, dass die Subsumtion des Gerichts hinsichtlich der Computersabotage mit jeweils einem Satz auskommt, was nochmals unterstreichen sollte, wie unproblematisch die Feststellung der Strafbarkeit einer DDoS-Attacke ist.

Hinweis: Neben der Computersabotage wurde selbstverständlich noch die Strafbarkeit wegen (versuchter) gewerbsmäßiger Erpressung festgestellt, was wenig überraschen sollte. Ich sehe hier keinen Ansatz für eine weitergehende Vertiefung.

Das Ergebnis: Die Entscheidung des LG Düsseldorf überrascht nicht und liegt auf einer Linie mit meiner früheren Analyse. DDoS-Attacken sind keine Bagatell-Delikte. Dabei sind gerade Teenager aufgerufen, die Konsequenzen einer scheinbar anonymen Attacke – etwa im Rahmen von gruppenbasierten Angriffen wie von Anonymous – nicht zu unterschätzen, auch hinsichtlich evt. auflaufender zivilrechtlicher Schadensersatzansprüche. Die Entscheidung aus Düsseldorf sollte wachrütteln und warnen. Evt. anders lautende Analysen im Internet sind kritisch zu sehen. Insbesondere wenn sich auf eine frühere Entscheidung des OLG Frankfurt a.M. berufen wird, ist hier nur kurz festzustellen, dass diese Entscheidung auf Grund der Änerungen des StGB sich schlicht überholt hat. Dazu kommt die Problematik, dass auch der Versuch bereits unter Strafe stehen wird (§303b III StGB).

Dazu ausführlich:

Update: Es gibt nun erste Zweifel, ob der §303b StGB verfassungsgemäß ist – zum einen, weil er zu unbestimmt sein soll. Diesen Gedanken finde ich zwar nachvollziehbar, teile ihn aber nicht, da letztlich m.E. die Grenzen der Bestimmtheit (noch) eingehalten werden. Dass Wertungsgesichtspunkte bei der Analyse der Datenverarbeitung eine Rolle spielen ist im StGB keineswegs selten und gerade im Daten-Strafrecht ein typisches Kriterium. Dies gerade, da man häufig mit einem bestimmungsgemäßen Gebrauch einer Datenverarbeitung, einfach durch Häufigkeit, Probleme hervorrufen kann. Es verbleibt bei vielen Szenarien alleine die Intention des Handelnden als Differenzierungskriterium. Daneben wird angemerkt, dass eine Ähnlichkeit zum §202c StGB besteht, der ja bereits das BVerfG beschäftigt hat. Auch das ist auf den ersten Blick nachvollziehbar, wird von mir aber abgelehnt: Zum einen ist mit dem BVerfG gerade festzustellen, dass die Wertung auf Grund der Intention des Handelnden keinen Bedenken begegnet. Zum anderen stellt der §303b StGB – anders als der §202c StGB bei weiter Auslegung – eben nicht auch grundsätzlich rechtmässiges Verhalten unter Strafe.

Zu guter Letzt möchte ich darauf verweisen, dass bis heute – also nach nunmehr 5 Jahren Existenz des §303b StGB – weder in der Literatur noch in der Rechtsprechung jemals Zweifel an der Verfassungsmässigkeit der Norm aufgekommen sind. Dabei ist in der Begründung zum §303b StGB nachzulesen, dass ausdrücklich DDoS-Attacken unter Strafe gestellt werden sollten – auch das begegnete niemals irgendeiner Form von Kritik. Stattdessen war von Anfang an klar, dass die Norm restriktiv anzuwenden ist (dazu nur Hilgendorf/Wolf in K&R 2006, S.541ff.)